Werder Bremen : RB Leipzig – 3:0

In einer Phase der zweiten Hälfte der Partie gegen RB stellte sich plötzlich ein merkwürdiges Gefühl ein. Es war eine bekannte Empfindung, aber sie war schon so lange nicht mehr aufgetreten, dass sie sich völlig neu anfühlte. Die Zuschauer im Bremer Weserstadion müssen es auch gefühlt haben, denn wenig später stimmten sie ‚O wie ist das schön‘ an, dieses Lied, das man nur in vollkommen glücksbesoffenen Momenten als Fußballfan singt.

Werder hatte den Gegner im Griff. Sie hatten ein packendes Duell auf Augenhöhe bestritten und mit einigen gekonnten Zügen die anderen an den Rand einer Niederlage gebracht. Jetzt lagen sie zweizunull vorne und kontrollierten das Geschehen.

Ich weiß natürlich, dass es so nicht über die gesamte Dauer des Spieles war. In der ersten Halbzeit wackelte vor allen Dingen die Innenverteidigung bedenklich. Sané leistet sich zwei, drei groteske Abspielfehler, einmal setzte er den starken Wiedwald mit einem unsinnigen Rückspiel unter Druck, der den Ball gerade noch zu Moisander spielen konnte, der ihn schnell weiter zu Bauer passte, der ihn daraufhin an den Gegner verlor. Das waren brenzlige Minuten, in denen alles auf der Kippe stand.

Aber von Anfang an imponierend war Werders Raumaufteilung, die Art, wie sie den Platz beherrschten, die Halbräume schlossen und so gefährliche Männer wie Forsberg oder Werner weitestgehend (so ganz geht es eben nie) ausschalteten.

Das erste Tor durch Junuzovic könnte man glücklich nennen. Das muss man aber nicht. Man könnte auch sagen, dass er, und nicht nur er, in diesem Moment zeigte, was Werder mittlerweile drauf hat. Der Angriff war Ausdruck eines perfekten Umschaltens, Werder schlug Leipzig mit den eigenen Mitteln. Wie der Österreicher den in die Mitte gespielten Ball vom Außenrist zurück zu Bauer nach links außen tropfen ließ, war zum Zungeschnalzen. Bauers erste Flanke verfehlte noch den Adressaten und wurde aus der Gefahrenzone wieder herausgeköpft, aber Junuzovic ergatterte den Ball, und zwar von den eigenen Teamkollegen, und drosch ihn mit einer Mischung aus Vollspann und Außenrist in einer schön beschriebenen Kurve neben den Pfosten. Das hatte europäische Klasse. Überhaupt zeigte Zlatko in diesem Match, zu was er fähig ist, wenn der Abstiegskampf es mal zulässt.

Ich sage es ganz offen: In Nouris neues System mit Dreierkette habe ich mich von Anfang an verliebt.  Aber als ich vor dem Spiel die Aufstellung betrachtete, war ich überhaupt nicht einverstanden. Bartels wieder als hängende Spitze? Grillitsch als Achter auf der rechten Seite? Gebre Selassie auf rechts außen? Und Veljkovic? Für mich stand fest, dass die rechte Seite die Achillesverse sein würde. Der Tscheche hatte zuletzt nie sehr gut ausgesehen. Und Veljkovic hatte immer wieder Probleme mit seinem Stellungsspiel gehabt. Und dass Bartels auf der rechten Außenbahn am wertvollsten ist, hat er längst bewiesen.

Die ersten Minuten des Spieles schienen mich zu bestätigen. Gebre Selassies schlimmer Abspielfehler ins Zentrum, der ein Umschalten der Leipziger einleitete. Grillitschs übliche Probleme mit der Geschwindigkeit. Ein paar Wackler von Veljkovic. Aber dann änderte sich die Lage. War es das Tor? Ich weiß es nicht mehr. Jedenfalls wurde der junge Verteidiger immer stabiler, bis er mit seiner Ruhe am Ball eine echte Bank im Aufbau war. Theo wurde ebenfalls sicherer, und Grillitsch kompensierte die fehlende Schnelligkeit mit überragender Technik und wunderbaren Zuspielen.

Und dann war da ja noch Delaney. Dieses dänische Powerhouse. Wie kann es sein, dass ein einziger Spieler in der Zentrale das Niveau einer ganzen Mannschaft so anhebt? Ja sicher, es ist eine Fußballweisheit, dass Spiele im Zentrum gewonnen werden, aber eine derartige Steigerung? Einer ganzen Mannschaft? Bemerkenswert!

Häufig ist es ja so, dass defensive Mittelfeldspieler, die von hinten heraus agieren und dirigieren, nicht so sehr ins Auge fallen. Sie halten den Ball am Laufen, bringen ihre Mitspieler in Position, verlagern das Spiel mittels kurzer und langer Pässe, usw. Delaney dagegen fällt immer auf. Gerade eben hat er sich noch in einen Zweikampf geworfen, da leitet er mit einem Pass schon wieder den nächsten Angriffszug ein. Wenn man ihm zuschaut, denkt man unwillkürlich an die Zeiten damals auf dem Bolzplatz zurück, als wir Jungs waren und von einer großartigen Zukunft als Fußballstars träumten. Wir alle wünschten uns, so ein Delaney zu sein, einer der von Box zu Box marschiert und das Spiel an sich reißt. Werder mit Delaney ist es etwas völlig anderes als Werder ohne Delaney.

Ja, Nouri hat recht behalten mit seiner Aufstellung und seiner taktischen Ausrichtung. Und das nicht nur am Samstag. Er hat schon seit geraumer Zeit recht behalten. Es stimmt, dass er vereinzelt Fehler gemacht hat. Aber im Großen und Ganzen hat er es geschafft, aus einer verunsicherten Mannschaft ohne Plan ein gefestigtes Team zu formen, das einer klaren Idee folgt. Und wer immer ihn kritisiert, mag sich vergegenwärtigen, dass das schon dem späten Thomas Schaaf nicht mehr geglückt ist. Und seit ihm niemandem mehr. Dass die Bremer seit langer Zeit endlich wieder einen Fußball spielen, der dem Niveau der Liga gerecht wird, ist Nouris Verdienst.

Allen voran darf die Geschäftsführung sich glücklich schätzen, dass die Resultate seiner Arbeit endlich sichtbar werden, jetzt, wo der Abstiegskampf zwischen der Hälfte aller Teams ausgetragen wird und in seine entscheidende Phase geht. Denn der verspätete Rauswurf von Skripnik hat die Entwicklung des Teams beträchtlich verzögert. Dass Werder so weit unten in der Tabelle steht, verdanken wir der katastrophalen Hinrunde und einer viel zu spät eingeleiteten Aufbauarbeit.

Jetzt aber könnten die dunklen Jahre auch zu etwas gut sein. Denn im Gegensatz zu manchem anderen Team kann Werder Abstiegskampf. Sie haben in den vergangenen Spielzeiten ein ums andere Mal bewiesen, dass sie die nötige Mentalität haben, um unter dem Druck nicht einzuknicken, sondern über sich selbst hinauszuwachsen. In den nächsten Wochen wartet also noch das eine oder andere Drama auf uns. Hoffentlich mit positivem Ausgang für Werder.

Bayer Leverkusen : Werder Bremen – 1:1

Ich habe mir gerade das zweifelhafte Vergnügen gegönnt, noch einmal meine eigenen Spielkommentare vom Beginn der Saison zu überfliegen. Die Niederlagen gegen Bayern oder auch später gegen Gladbach – fußballerische Bankrotterklärungen einer desolaten und ratlosen Mannschaft. Mittlerweile gibt Werder ein völlig anderes Bild ab.

Ich bin wirklich erleichtert, das schreiben zu können, denn auch wenn die letzten Spiele gewonnen wurden, musste man sich angesichts der Spielweise Sorgen machen. Es war stellenweise sehr schlecht, was die Grün-Weißen boten. In Leverkusen war das völlig anders. Da zeigte sich Werder von der eigenen Spielidee überzeugt.

Möglicherweise ist diese Phase der Saison Nouris tatsächliche Reifeprüfung. Er und die Mannschaft scheinen sich gefunden zu haben, sie haben auch die schlechten Partien überstanden, mit Glück, aber auch mit großer Hingabe. Und in Leverkusen konnten wir tatsächlich so etwas wie eine gereifte Spielanlage bewundern. Die Statistik ist jedenfalls ziemlich beindruckend für ein Auswärtsspiel in der BayArena: eine Passquote von 84% (gleichauf mit Leverkusen), 52% gewonnene Zweikämpfe (eine der wichtigsten Statistiken überhaupt), nur 12 zugelassene Torschüsse – allerdings auch nur 11 selbst abgefeuerte.

Ja, es gab sie noch, die alten Patzer, zum Beispiel Gebre Selassies verunglückter Versuch zu klären, der das Gegentor einleitete. Und auch der Held des Tages Wiedwald, der völlig zurecht gelobt wird, hat dennoch mit einigen falschen Zuspielen Leverkusen zu neuen Chancen eingeladen. Es waren aber wenige Fehler, und sie wurden durch eine sehr stabil stehende Mannschaft fast immer wieder wettgemacht.

Das für mich auffälligste an Werders Auftritt war die gelungene Raumaufteilung. Hieran hatte es in der Vergangenheit immer und immer wieder gehapert, die Spieler hatten zu weit vom Gegner weggestanden oder sich zu sehr in deren Deckungsschaften aufgehalten. Diesmal stimmten Stellungsspiel und Laufwege erfreulich oft. Und die sehr engagierten Bremer konnten das gut ausnutzen, ja, sie konnten sogar Gnabrys Fehlen und Kruses Formschwäche kompensieren. Und das sagt viel aus, denn es waren doch gerade diese beiden, die in den vergangenen Spielen den Erfolg sicherten.

Merkwürdig fand ich, dass Nouri bei seiner Aufstellung auf einen echten Stoßstürmer verzichtet hat. Der Trainer konzentrierte sich in seiner Ausrichtung scheinbar ausschließlich auf das Mittelfeld, um der spielerischen Klasse Leverkusens etwas entgegensetzen zu können. Offensichtlich sah sein Matchplan keine schnellen Vorstöße aus der Tiefe vor, denn sonst hätte er Bartels auf die angestammte rechte Seite gestellt und nicht in den Sturm. Das funktionierte schon irgendwie, aber es sprangen dabei eben keine Tormöglichkeiten heraus.

Ich kann das nachvollziehen. Als Mannschaft im Abstiegskampf ist es legitim, sich im Hinblick auf Torabschlüsse auf die Standards zu konzentrieren. Vielleicht dachte der Trainer, dass bei spielerischer Ebenbürtigkeit Freistoßmöglichkeiten in aussichtsreicher Position zwangsläufig folgen würden. Das hätte ja auch beinahe geklappt, als Gebre Selassie schon sehr früh wuchtig aufs Tor köpfte.

Am Ende musste es dann aber doch der alte Claudio richten, in typischer Mittelstürmermanier. Der Matchplan musste geändert werden, und die Änderung brachte den gewünschten Erfolg.

Ich kann es vielleicht nicht beurteilen, mir hat nur Werders Spiel noch besser gefallen, als Bartels Gebre Selassies Position übernahm und als Kainz über links vorstoßen durfte. Da hatte es noch mehr Zug zum Tor, da war es ansehnlicher und gefährlicher.

Des Trainers Vertauen in Veljkovic und Eggestein ist löblich. Wenn jetzt aber die Mannschaft endlich gefestigt ist, wie sie selber sagt, dann würde ich mich freuen, wenn er auch Kainz und Johannsson reelle Chancen einräumen würde. Ich finde, sie hätten es verdient. Und Werders Spiel könnte nur profitieren.

Werder Bremen : Darmstadt 98 – 2:0

Wer Werder liebt, der darf sich über die Punkte gegen Wolfsburg und Darmstadt freuen. Neun Punkte aus drei Spielen, das ist eine beeindruckende Bilanz! Aber wer den Fußball liebt, der kann eigentlich nur den Kopf schütteln. Was die Bremer in den vergangen zwei Partien abgeliefert haben, war phasenweise grässlich, beinahe empörend.

Man ist als Werder-Fan ja einiges gewöhnt. Wir halten zu unserem Team, egal ob es gut oder schlecht spielt und auch wenn es seit Jahren gegen den Abstieg geht. Aber Andi Herzog hatte schon recht, als er vor einigen Wochen im ‚Doppelpass‘ sagte, es sei schön, dass die Fans so hinter dem Verein stünden. Aber man müsse sich klar machen, dass, wenn auch mittelmäßige bis schlechte Leistungen bejubelt würden, das eine ganze Menge über die Erwartungshaltung aussagen würde – oder darüber, dass die Fans eben so gut wie nichts mehr von der Mannschaft erwarten. Und das könne ja wohl auch nicht der Anspruch sein.

Er hat recht. Die Mannschaft ist stark genug, um nicht wieder Fanaktionen der vergangenen Spielzeiten zu benötigen, die sie über das Leistungslimit hinauspushen. Sie ist stärker als in der letzten Saison. Und ehrlich gesagt macht deshalb so eine Leistung wie gegen Darmstadt (oder gegen Wolfsburg) einem Werderfan echte Sorgen. Da gibt es nichts zu jubeln, auch wenn Wiedwald die Ost-Kurve lobte, weil sie als einzige in der Halbzeitpause nicht gepfiffen hätte.

Wahrscheinlich hat die Mannschaft den Erwartungsdruck gespürt, hat ihn sich natürlich selbst gemacht. Das Spiel gegen Wolfsburg saß ihr noch in den Knochen. Und nun war der Tabellenletzte zu Gast, und sie wusste, dass alle den Dreier erwarten, ja, sie hat ihn selbst von sich erwartet, und damit eine Serie, wie Werder sie schon seit langem nicht mehr hinbekommen hat, eine Serie von drei gewonnen Spielen. Und dieser Erwartungsdruck blockierte Kopf und Beine.

Natürlich ist das irgendwie nachvollziehbar. Aber das lässt auch auf eine schlechte mentale Einstellung schließen. Denn abgesehen davon, dass es diesmal besonders schlimm war, ist ein zögerlicher Beginn inzwischen ein wiederkehrendes Muster. Werder beginnt unter Nouri häufig vorsichtig und steigert sich erst im Lauf des Spiels. Nicht immer, aber zu häufig gehören die ersten fünfzehn Minuten dem Gegner. Und das ist ein schlechtes Zeichen. Taktisch scheint die Mannschaft gut ausgerichtet zu sein. Hier erlaubt sich der Trainer selten einen Fehler. Aber was die Motivation angeht, stellen sich Fragen.

Vielleicht hat das auch mit einem etwas zu großen Respekt Nouris vor den erfahrenen Spielern zu tun. Zu den schwächsten gegen Darmstadt gehörten Junuzovic, Fritz und Pizarro. Bei Junu war es sicher die Verletzung, die er sich früh zuzog, die ihn hinderte. Andererseits harmonierten er und Fritz tatsächlich noch nie besonders gut als Doppelsechs. Fritz hat vor allem neben Delaney gute Spiele gezeigt. Offenbar hat der Däne das, was Fritz fehlt, sie ergänzen sich perfekt. Bei Junuzovic und Fritz ist das nicht der Fall. Sie waren beide ausgesprochen schlecht. Dass sich ausgerechnet beide verletzten und Grillitsch und Eggestein übernehmen mussten, war für Werder ironischerweise ein Glücksfall – der Motorblock der Mannschaft wurde ausgetauscht, danach lief es besser. Mit den beiden jungen Spielern kam mehr Struktur ins Spiel. Gut, dass der Trainer den Mut hatte, Grillitsch zu bringen und nicht auf Nummer sicher zu gehen und sich für Veljkovic zu entscheiden, der defensiv stärker gewesen wäre.

Mit Pizarro musste man dagegen fast Mitleid haben. Und das ist nichts, was man einem älteren, verdienten Spieler wünscht. Es war offensichtlich, dass er kein Vertrauen in den eigenen Körper hatte. Seine Bewegungen waren geradezu unbeholfen. Und selbst in den wenigen engen Situationen, in denen er den Ball hielt und dann weiterpassen sollte, war er ungeschickt. Dabei sind das die Situationen, in denen er bisher seine ganze Erfahrung zeigen konnte. Ihn aufzustellen bedeutete, auf einen Mann zu verzichten. Und auch hier muss Nouri sich fragen lassen: Warum? Warum Pizarro? Warum nicht Johannsson? Warum nicht einen Spieler aufstellen, der vielleicht nicht verdient, vielleicht nicht genauso begabt, aber dafür immerhin FIT ist?

Zum Glück holte er den Elfmeter heraus, aber eigentlich tat er das ja gar nicht. Er trat über den Ball, in einer Situation, in der er das Tor machen musste, und wurde dann umgetreten. Natürlich, man könnte sagen, Pizarro stand genau richtig, weil er Pizarro ist, und wäre es nicht Pizarro gewesen, hätte der Darmstädter erst gar nicht die Grätsche ausgepackt. Wer weiß das schon?

Die zweite Hälfte war besser, aber sie war nicht gut, wie Björn Knips ganz richtig heute in der Kreiszeitung schreibt. Sie reichte dennoch. Also Mund abputzen und nach vorne schauen.

Die kommenden Gegner werden schwerer, und das ist eine gute Nachricht, denn dadurch werden sie gleichzeitig leichter. Gegen Darmstadt war Werder der Favorit. Mit dieser Rolle kommt die Mannschaft überhaupt nicht zurecht. Sie ist lieber der Underdog. Sie überließ ja sogar Darmstadt über weite Strecken das Spiel! Am besten ist sie dann, wenn der Erwartungsdruck, der eigene und der der Fans, nicht allzu hoch ist.

Außerdem wird hoffentlich wieder Thomas Delaney an Bord sein. Obwohl der unerschrockene Däne erst seit so kurzer Zeit im Kader ist, macht sich sein Fehlen schmerzlich bemerkbar. Es ist genau dieser Spielertyp, der Werder in den vergangenen Matches im Zentrum fehlte – einer, der weder Angst vor dem Gegner noch vor den Schmerzen noch vor sich selbst hat. Hoffen wir, ganz eigennützig, dass er bald wieder auf dem Platz steht.

1. FSV Mainz 05 – Werder Bremen

Nouri hat recht behalten. Der Trainer hatte immer wieder bekräftigt, dass gute Leistung früher oder später gute Ergebnisse mit sich bringen würde. Und diesmal, in Mainz, war es so weit.

Dabei war Werder nur für eine Halbzeit die bessere Mannschaft. In der zweiten haben sie vor allem bravourös und endlich einmal erfolgreich verteidigt. Und trotzdem machten sie von Anfang an den Eindruck, voll da zu sein, selbstbewusst zu sein, absolut gewillt zu sein, an diesem Nachmittag die drei Punkte mit nach Bremen zu nehmen.

Die Zeitungen haben in den vergangenen Tagen viel über den Systemwechsel zurück zum Viervierzwei geschrieben. Zurecht, auch ich war erleichtert, als ich die Aufstellung las. Aber vielleicht zeigt das auch, dass unser Vertrauen in die Kompetenz des Trainers ein wenig gelitten hat, wenn wir so viel über das System nachdenken. Das vergangene Spiel gegen Gladbach ging ja wohl deshalb verloren, weil Nouri sein Team nicht auf die Konterstärke der anderen eingestellt zu haben schien. Jedenfalls war sein Fünfdreizwei zu anfällig. Und man fragte sich hinterher, ob ein herkömmliches Viervierzwei, wie die Gladbacher es spielten, nicht doch erfolgversprechender gewesen wäre.

Diesmal machte er es anders. Vielleicht kann man sagen: Natürlich machte er es anders. Er hat seine Fachkompetenz doch schon längst unter Beweis gestellt, er wusste, dass die Mainzer eine Kontermannschaft sind, die Probleme haben, das Spiel selber zu machen. Also überließ er es ihnen und sorgte dafür, dass die Flanken gut verteidigt wurden. Erst eine Viertelstunde vor Schluss stellte er auf ein Fünfdreizwei-artiges System um, bei dem aber keine Ketten pendelten, sondern wo jeder ziemlich genau seinen Platz kannte.

Bei den vergangenen Niederlagen waren es individuelle Fehler, die den Ausschlag gaben. Diesmal waren es individuelle Leistungen, die den Sieg garantierten, ob das Wiedwalds Paraden waren oder die wunderschönen Tore von Gnabry und Delaney.

Überhaupt Gnabry. Sein Spiel in Mainz war großartig! Er glänzte weniger durch einzelne Aktionen als sonst, rackerte dafür aber mehr. Er spielte lustvoll, mannschaftsdienlich und war auch defensiv unglaublich aktiv. Auf mich wirkte es so, als hätten Spieler und Trainer endlich die Position gefunden, die zu ihm passt, nämlich als hängende Spitze. Eigentlich als zweite hängende Spitze, denn auch wenn Max Kruse der nominelle Mittelstürmer war, ist das, was er als Spitze spielt, ja auch immer ‚hängend‘. Es waren also zwei, die sich immer wieder fallen ließen und die schnellen Gegenstöße aus der Zentrale heraus anführten. Beide ergänzten sich toll, und beide verstärkten auch das Zentrum sehr gut.

Nach diesem Sieg fällt es natürlich viel leichter, das zu sagen, aber es stimmt trotzdem: Nouris Weg bestätigt sich. Von den vergangenen fünf Spielen war nur eines schwach, und zwar das gegen Gladbach. Auch wenn seine Aufstellungen nicht immer nachvollziehbar sind (zum Beispiel sein Festhalten an Garcia oder das Einbinden von U. Garcia in eine Dreierkette), auch wenn er mal taktisch daneben liegt (zum Beispiel gegen Gladbach), so wird seine Arbeit doch dadurch bestätigt, dass sich die Leistung des Teams graduell, aber kontinuierlich verbessert. Das ist nicht mehr Skripniks Werder. Das ist inzwischen Nouris Werder. Und dieses Werder steht zwar immer noch kurz vor dem Abstieg. Es hat aber andererseits alle Möglichkeiten in der Hand, ihn zu verhindern.

Werder Bremen : M’Gladbach – 0:1

Das heute war das Spiel der Spiele. Nach der Niederlage in Augsburg ging es nur um eines, nämlich darum, die Leistung des vergangenen Spieles zu wiederholen, sich diesmal aber nicht selbst zu schlagen und die eigenen Chancen zu erzwingen. Die Mannschaft wusste das, der Trainer wusste das – und sie verkrampften total.

So groß war die Angst vor einem Misserfolg, dass Nouri auf Garcia setzte, einzig deshalb, weil er in der Vergangenheit auf Garcia gesetzt hatte. Es kann unmöglich die bisherige Saisonleistung des Argentiniers gewesen sein, die den Ausschlag dafür gab, denn bisher hat er noch kein einziges Mal bewiesen, dass er für die Bundesliga gut genug ist. Auch diesmal tat er es nicht.

Nouri setzte wieder auf das Dreifünfzwei. Nachvollziehbar, wenn man an die Leistung in Augsburg denkt, aber, wie sich schnell zeigte, ein Fehler. Denn die völlig indisponierte Abwehr konnte es nicht spielen. Und ein gewisses, aber sehr fragiles Übergewicht im Mittelfeld brachte nicht viel ein, weil Werder die Zweikämpfe verlor, und beim Umschalten der Gladbacher viel zu langsam reagierte.

Wie gegen Augsburg ließ sich die Fünferkette beim Gegentreffer auseinanderziehen. Veljkovic, Sané, Moisander, Bauer, Garcia – es war zum Kotzen. Derart stümperhaftes Verhalten kann man eigentlich nicht mehr mit Verunsicherung erklären. Es sah viel mehr so aus, als wären weder Sané noch Moisander, die designierten Bosse des Abwehrverbundes, die angeblichen Führungsspieler, fit. Bauer war der einzige Abwehrspieler, der defensiv gut stand, wenn er auch offensiv immer noch viel zu wünschen übrig lässt. Da war er nicht der einzige. Sanés und Moisanders Spielaufbau war stellenweise haarsträubend schwach.

Der Systemwechsel nach der Halbzeit kam zu spät. Er wurde erzwungen durch Veljkovicss Verletzung und Garcias katastrophaler Vorstellung. Herein kam Gebre Selassie, der sich von der allgemeinen Verunsicherung anstecken ließ und nicht nachweisen konnte, was er im Kader einer Bundesligamannschaft zu suchen hat.

Es macht keinen Spaß über das Spiel zu schreiben, deshalb mache ich es kurz: Junuzovic und Gnabry wussten mit ihren Fähigkeiten nichts anzufangen, Bartels bemühte sich, aber er ist kein Mittelstürmer und wird auch niemals einer, Kruse tat was er konnte, aber auch das war im Effekt überschaubar. Einzig Delaney, wieder einmal, schien begriffen zu haben, dass es bei diesem Spiel um den Verbleib in der Liga ging.

Ich habe meinen letzten Artikel sehr optimistisch abgeschlossen. Das nehme ich zurück. Werder wurde vielleicht nicht an die Wand gespielt, aber sie machten auch nie den Eindruck, dass sie das Spiel noch drehen konnten. Man musste im Gegenteil jederzeit damit rechnen, dass die Gladbacher noch einen ihrer schönen Konter fahren würden, um das Spiel vollends einzusacken. Das Nullzueins jedenfalls ging völlig in Ordnung. Und an der Weser ist es ab heute zappenduster.

Rein rechnerisch lässt sich der Abstieg noch verhindern. Dafür aber müsste die Mannschaft aufhören, von der eigenen Qualität zu schwärmen und den Ernst der Lage erkennen. Insbesondere die Innenverteidiger stehen in der Verantwortung, ihren hochtrabenden Worten aus der Vergangenheit endlich Taten folgen zu lassen. Und Nouri, für den ja jede Situation in dieser Saison die erste ist, muss dafür sorgen, dass die Spieler seine Idee vom Fußball umsetzen. Mannschaft und Trainer haben einen Charaktertest zu bestehen. Heute sind sie durchgefallen.

FC Augsburg : Werder Bremen – 3:2

Das Wichtigste zuerst: Werder wird nicht absteigen. Ich muss das gleich zu Beginn loswerden, weil der Chor der Verzweifelten und Schon-Immer-Besser-Gewusst-Habenden so unglaublich laut ist, dass es fast hysterisch anmutet.

Natürlich war die gestrige Niederlage katastrophal: Sie war unnötig, dämlich, und sie ist hochgefährlich. Niemals hätte sie nach diesem Spielverlauf passieren dürfen. Aber ich persönlich würde Angst um Werders sportliche Zukunft haben, wenn ich den letzten Satz nicht hätte schreiben können. Wenn er nämlich wie fast immer in den vergangenen Jahren hätte heißen müssen: Der Spielverlauf ließ leider kein anderes Ende zu, Werder verlor mal wieder völlig verdient.

Man muss es festhalten, allen Unkenrufen und wiesischen Besserwissern zum Trotz: So gut wie in den vergangenen drei Spielen hat Werder schon lange nicht mehr gespielt. Es gab da nur ein paar entscheidende Fehler, fast alles  individuelle Fehler, bis auf einen, leider ebenfalls entscheidenden, den der Trainer zu verantworten hat:

Nouri stand vor einer schwierigen Wahl. Die personelle Situation erzwang sie sozusagen, denn Moisander war verletzt, und Garcia war gesperrt. Die Frage war, ob der Trainer im zuletzt sehr stabilen Dreierketten-System spielen lassen würde oder ob er doch zu einer Grundformation mit Viererkette zurückkehren würde. In der Viererkette wären Sané und Veljkovic als Innenverteidiger gesetzt gewesen und Gebre Selassie und Bauer als Außenverteidiger. Diese Spieler hätten sich in ihren Aufgabenbereichen sofort zurechtgefunden, weil sie sie schon häufig gespielt haben.

Was Nouri aber am Dreifünfzwei so liebt, ist die Positionierung auf dem Feld. Mit dieser Aufstellung beherrscht die Mannschaft die Räume und, wenn es gut läuft, den Gegner. Genauso war es gestern auch. Um diesen Effekt aber zu erzielen, musste er ein Risiko eingehen, er musste eine Dreierkette auf den Platz schicken, die noch nie zusammen gespielt hatte. Und das schwächste Glied der Kette war Ulisses Garcia.

Nouri ist ein risikofreudiger Trainer, das hat er schon mehrmals bewiesen. Und so entschied er sich für diese Variante. Wie die Sache ausging, ist bekannt: Werder beherrschte das Spiel, weil sie nach anfänglichen Schwierigkeiten Raum und Gegner im Griff hatten, auch wenn sie sich gegen die sehr kompakte Augsburger Defensive schwertaten. Und dann machten sie im Abwehrverhalten die entscheidenden Fehler, die, wie ich meine, allesamt Abstimmungsfehler waren. Und zwei Mal sah ausgerechnet der junge Schweizer sehr, sehr schlecht aus, beim ersten Mal, weil er von Sané im Stich gelassen wurde (Sané übergab Bobadilla gewissermaßen an Garcia und verlor dann Schmid aus den Augen, den er, als der erst einmal an ihm vorbeigezogen war, nicht mehr einholen konnte) und beim zweiten Mal, weil er erneut völlig eingelassen keine Abwehrchance gegen den kräftigen Argentinier hatte.

Die Flanke zum Zweizuzwei verhinderte, wenn ich mich nicht irre, Gebre Selassie nicht, sie kam jedenfalls von dort, wo er hätte sein sollen. Und das ist der eine Teil der Geschichte, das nämlich in der Defensive das zuletzt stabile System nicht stabil war, weil die Neuen im Team mit den Alten im entscheidenden Moment nicht harmonierten.

Das ist nachvollziehbar. Es gibt etwas, was ein Vereinsfunktionär wie Baumann nicht vor den Kameras sagen darf, was aber ein unabhängiger Blogger ungestraft schreiben kann: Nouri leistet in der Defensivarbeit mit diesem Team Pionierarbeit. Was er beim Amtsantritt vorfand, war absolutes Brachland. Die vorhergegangenen Trainer haben ihm im Prinzip nichts hinterlassen, worauf er hätte aufbauen können. Werder hat nun unter ihm zu defensiver Stabilität gefunden, aber das Gebilde ist immer noch so fragil, dass einige personelle Ausfälle die ganze Sache wieder ins Wanken bringen.

Natürlich hätte er anstelle von Garcia einen erfahreneren Mann einsetzen können: Gebre Selassie nämlich. Und ehrlich gesagt habe ich das auch erwartet, dass die beiden spätestens nach der Halbzeit die Rollen tauschen würden. Schließlich wurde schon in den ersten Minuten klar, dass die Augsburger den Schweizer als Schwachstelle erkannt hatten. Dass Nouri das nicht tat, muss man ihm ankreiden. Für meine Begriffe ist das ein Coaching-Fehler, und deshalb ist er auch für die Niederlage mitverantwortlich. Er hat zu hoch gepokert und verloren.

Aber er ist nicht alleine verantwortlich, denn er wurde nicht nur von seinem defensiven, sondern auch seinem offensiven Personal im Stich gelassen. Ich sag es ganz offen, mir geht die Lobhudelei von Gnabry auf die Nüsse. Was er an Technik und Schnelligkeit vorzuweisen hat, das fehlt ihm an Mannschaftsdienlichkeit und Übersicht. Gnabry ist ein Wunderkind, das keinen Bock hat, beim normalen Schulunterricht mitzumachen, weil ihm alles irgendwie zu doof ist. In beinahe jedem Spiel übersieht er den besser positionierten Kruse, der dann immer nur hilflos die Arme heben kann, er spielt den Ball in viel zu enge Gassen, wenn sich in seinem Rücken ein Kollege anbietet, er sucht den Abschluss, wenn eigentlich nur ein Zauberschuss wirklich erfolgreich sein kann – und dann wird er von den Redakteuren gefeiert. Viel zu häufig verlässt er sich auf seine überragende Technik, weil er nicht kapiert hat, dass im modernen Fußball die Mannschaft der Star ist. Natürlich kann man das einem jungen Mann nachsehen, aber man soll ihn dafür nicht auch noch loben.

Die Kreiszeitung bewertet den Mittelfeldmotor Delaney, der dafür gesorgt hat, dass Werder das Mittelfeld beherrschte, mit einer Vier, weil er einen nicht zu verteidigenden Ball nicht verteidigte (in dem Moment, in dem der Ball unterwegs in den Strafraum ist, kann nur noch ein Fehler des Stürmers Schlimmeres verhindern), gesteht Gnabry aber eine 3,5 zu, weil der den Elfmeter rausholte. Das ist peinlich und verkennt die Tatsachen. Aufgrund der Dominanz im Mittelfeld, hätten früher oder später die Tore fallen müssen. Man kann den, der die nötige Vorarbeit leistet, nicht schlechter beurteilen als den, der die Vorarbeit nicht zu nutzen weiß.

Die Offensive ließ Nouri im Stich, als sie es versäumte, ein weiteres Tor zu machen und den Sack zuzumachen. Hätte sie das getan, hätte der Trainer mit seinen Entscheidungen recht behalten. So aber setzte er zu großes Vertrauen in den Entwicklungsfortschritt seiner Mannschaft und wurde bestraft.

Und trotzdem! Trotzdem ist das das beste Werder, das wir seit langem zu sehen bekommen. Ich wiederhole mich: Dass der Verein in den Abstiegskampf gehen würde, war in dem Moment klar, als die sportliche Leitung an Viktor Skripnik festhielt. Ich glaube aber genau wie Alexander Nouri, dass gute Leistung irgendwann belohnt werden wird.

Nachdem sich also alle kräftig ausgeheult haben, sollte man genauso weitermachen wie bisher. Werder wird nicht absteigen.

Werder Bremen : FC Bayern – 1:2

Am vergangenen Sonntag mahnte Thomas Strunz im ‚Doppelpass‘ von Sport1: „Gegen Mannschaften wie Dortmund oder Bayern ist es leicht, gut auszusehen. Aber diesen Eindruck muss Werder jetzt auch gegen die kleineren Gegner bestätigen.“ Und Andreas Herzog pflichtete bei: „Es ist ja schön, dass das Publikum in Bremen so begeisterungsfähig ist, aber das zeigt natürlich auch, wie sehr die sportlichen Ansprüche bei Werder gesunken sind.“

Ja, ja. Das ist alles völlig richtig, aber natürlich auch die Perspektive zweier unbeteiligter Beobachter. Wir, die wir uns über das Einszuzwei gegen die Bayern freuen, haben in den vergangenen Jahren zusammen mit Werder die tiefsten und dunkelsten fußballerischen Täler durchschritten, die man sich vorstellen kann. Uns wurde eigentlich nur der Abstieg erspart, ansonsten mussten wir sämtliche Demütigungen über uns ergehen lassen, die es so gibt, ob das das mehrfache Ausscheiden im Pokal gegen Drittligisten war oder dass uns Aufsteiger taktisch überlegen waren oder ob wir von Bayern oder sonstwem in alle Einzelteile zerlegt wurden, nur um uns hinterher für das schöne Spiel zu bedanken – es ist alles dabei gewesen.

Über das Hinspiel vor einem halben Jahr habe ich geschrieben: „Ich persönlich konnte weder System noch Plan erkennen, das müssen andere machen, die  mehr Ahnung vom Fußball haben als ich. Was ich gesehen habe, war ein aufgescheuchter Haufen von Fußballern, bei denen sich manche am liebsten überhaupt nicht bewegen wollten, während andere hyperaktiv über den Platz stürmten.“ Das war am Samstag völlig anders. Es ist tatsächlich so, dass sich unter Alexander Nouri eine Entwicklung bestätigt, von der wir vor ein paar Monaten nicht zu träumen wagten. Die Mannschaft weiß, was sie zu tun hat, und sie ist in der Lage es umzusetzen. Die Defensive steht so sicher wie schon seit langer, langer Zeit nicht mehr. Und der Spielaufbau ist planvoll und folgt einem klaren Konzept.

Da MUSS man sich als Werderfan freuen. Und wer das nicht kapiert, der hat auch nicht begriffen, wie sehr wir in den vergangenen Jahren – ja, noch vor wenigen Monaten!  – im Arsch waren.

Natürlich bedeutet das nicht, dass Werder am Ende der Saison nicht absteigen wird. Thomas Tuchel hat es nach dem gestrigen Einszueins in Mainz erst wieder gesagt: Die Leistungsdichte in der Liga ist viel größer geworden, und die Liga ist insgesamt qualitativ besser geworden. Das heißt, dass alle Vereine, inklusive der Bayern, sich strecken müssen, um die jeweiligen sportlichen Ziele zu erreichen. Und Werders sportliches Ziel ist es, nicht abzusteigen. Ob das gelingt, lässt sich noch nicht sagen. Sollte es nicht gelingen, wird eine Ursache dafür das zögerliche Handeln der sportlichen Führung zu Beginn der Saison sein, als man den überforderten Skripnik noch durch die gesamte Sommerpause hindurch wurschteln ließ, anstatt die Notbremse zu ziehen. Es ist genauso gekommen, wie ich es in meinem Kommentar des Hinspieles gegen die Bayern schrieb: Die Wende zum Positiven setzt sehr spät, hoffentlich nicht zu spät ein. Da, wo man jetzt steht, hätte man schon während der Hinrunde stehen können, und das hätte mehr Punkte und einen besseren Tabellenplatz zur Folge gehabt. Unter den gegebenen Umständen werden wir bis zum Schluss zittern müssen. Mal wieder.

Aber gut, man soll die Feste feiern, wie sie fallen, und in dieser Woche gilt es festzuhalten, dass Werder Bremen unter Nouri endlich zu einer ernstzunehmenden Fußballmannschaft gereift ist. Die Spiele gegen Dortmund und Bayern haben das gezeigt. Und am nächsten Spieltag folgt die erste, echte Reifeprüfung gegen Augsburg. Freuen wir uns drauf.

Werder Bremen : Borussia Dortmund – 1:2

Hm.

Das Spiel der Bremer gegen den BVB ist wirklich nicht ganz leicht einzuordnen. Da gab es ganz, ganz schlimme Momente, vor allem in den ersten fünfzehn bis zwanzig Minuten, aber auch danach in einer längeren, eigentlich starken Phase, in der Werder ein durchaus ebenbürtiger Gegner war, wenn da nicht diese Abstimmungsprobleme gewesen wären, die immer wieder für kurzzeitiges Chaos im Bremer Spiel sorgten.

Die Kommunikationsfehler begannen schon mit der Aufstellung von Serge Gnabry. Heute Morgen ist in der Kreiszeitung zu lesen, dass Nouri nichts davon gewusst haben will, dass Gnabry sich schon am Morgen vor dem Spiel krank gefühlt hatte. Während des Spiels und kurz danach sah es so aus, als hätte sich der Trainer einen ganz üblen Coaching-Fehler geleistet, denn Gnabry war ja nicht nur schlecht und er leitete durch seinen Fehlpass ja nicht nur das frühe Gegentor ein, sondern seine Auswechslung noch vor der Pause brachte das Team um eine wichtige Wechsel-Möglichkeit, ein taktischer Nachteil, der gegen einen hochkarätigen Gegner schwer wiegt.

Wenn Gnabry seine Krankheit tatsächlich verschwiegen hat, gehört ihm der Kopf gewaschen. Wenn Nouri ihn trotz Erkrankung aufgeboten hat, dann hat er sich einen von mehreren Schnitzern geleistet. Denn auch die taktische Ausrichtung der Mannschaft zu Beginn des Spiels war schwer nachvollziehbar: Werder formierte sich zu einem Dreifünfzwei, in dem Garcia die bisherige Position Gnabrys an der linken Außenlinie übernahm, während der sich sehr frei im Zentrum hinter den Spitzen bewegte.

Der Gegner wurde erst etwa zehn Meter vor der Mittellinie angelaufen und im Spielaufbau weitestgehend in Ruhe gelassen. Werder beschränkte sich darauf, die Räume eng zu machen. Aber mit dieser Taktik hatten sie ihre liebe Not, denn wenn die Dortmunder im Ballbesitz waren, ging den Bremern alles zu schnell, wenn aber die Bremer den Ball hatten, dann schalteten sie nicht schnell genug um.

Immer wieder waren es Abstimmungsprobleme, die zu haarsträubenden Unsicherheiten führten: verspringende Bälle, Abspielfehler, ein haarsträubendes Stellungsspiel in der Defensive, Drobnys unmögliche Zuspiele … Vor allem nach dem Gegentor war es schwer, den Bremern beim Spielen zuzuschauen. Hinzu kam, dass Kruse, Pizarro und eben Gnabry Schatten ihrer selbst waren. Bartels war der einzige der fantastischen Vier der offensichtlich Bock auf dieses Match hatte. Die anderen wirkten, als hätten sie ihre Hanteln in der Unterhose versteckt.

Erst ab der vielleicht zwanzigsten oder fünfundzwanzigsten Minute konnten die Grün-Weißen die Verunsicherung abschütteln, attackierten den Gegner früher und entwickelten im Aufbau die spielerische Sicherheit, die im Lauf der Hinrunde von Spiel zu Spiel zugenommen hat. Die Herausnahme von Gnabry und die folgende Umstellung brachte ganz viel Sicherheit.

Dann kam Drobnys Bock. Man muss den Keeper in Schutz nehmen, denn die Situation wurde erst durch einen weiteren der vielen Abstimmungsfehler gefährlich. Aber er entschied sich eben auch zu spät für das Herauslaufen, und als er es tat, bewegte er sich nicht schnell genug. Die älteren Spieler wollen das ja immer nicht hören, Fritz schnaubt jedes Mal verächtlich, wenn er darauf angesprochen wird, aber sie sind. nun mal. langsam. Langsamer als die anderen, jüngeren Elitespieler der Bundesliga. Und da das Spiel von Jahr zu Jahr schneller wird, die älteren Spieler aber von Jahr zu Jahr langsamer, ist das eben manchmal ein Problem.

Doch ausgerechnet für Clemens Fritz, den ich schon des Öfteren als zu langsam bezeichnet habe, galt das diesmal nicht. Warum nicht? Weil er einen neuen Kollegen an der Seite hatte, der vieles von dem, was normalerwiese Fritzens Aufgabe gewesen ist, übernahm. Und das machte er so gut, das Fritz sich vollkommen auf seine Stärken konzentrieren konnte, während er den Jüngeren, Delaney, kämpfen, laufen und spielen ließ. Es war eine große Freude, ihm dabei zuzusehen. Dass dieser Spieler den Weg an die Weser gefunden hat, macht wirklich Mut. Er stand, lief und handelte fast immer richtig, und vor allem: Er hatte absolut keine Angst. Ehrlich gesagt waren mir die Dortmunder selten so unsympathisch wie am Samstag. Sie müssen sich im Trainingslager vorgenommen haben, sich nicht mehr über das unfaire Verhalten der Gegner zu beschweren, sondern selber auszuteilen. Dass sie dann aber die eigenen Schläge und Tritte auch noch mit höhnischen und abfälligen Gesten kommentierten, war wirklich unnötig. Das wenigstens sparten sich die Bremer. Sie beschränkten sich aufs Treten. Am Ende war der unerschrockene Däne einer der Spieler, die die sichtbaren Zeichen des Gefechtes am Körper trugen.

Also, wie soll man dieses Spiel jetzt einordnen?  Positiv ist die kämpferische Einstellung der Bremer. Aber das zu schreiben, klingt nach Trostpreis. Kämpfen kann jeder, der Mumm hat, dafür muss man nicht Fußballspielen können. Nachdem die Mannschaft sich gefangen hatte, sah vieles nach gutem Fußball aus, das kann man immerhin festhalten. Die Kombinationen klappten besser und die Defensive stand sicher.

Aber da waren diese Abstimmungsfehler – ärgerlich nach einer intensiven Vorbereitungszeit unter besten Bedingungen! Bei aller Sympathie für Alexander Nouri muss man sagen: Die Schonzeit ist vorbei. Der Trainer hat eine komplette Vorbereitung mit der Mannschaft absolviert. Und jetzt muss geliefert werden. Natürlich kann man gegen Dortmund verlieren. Aber man darf als Team nicht derartig viele Böcke schießen, wie sich das Garcia, Sané, Bauer usw. erlaubt haben. Es ist schwer verständlich, warum so häufig der eine nicht wusste, wo der andere war und wohin er sich gleich bewegen würde.

Zum Glück wurde das noch während des Spiels besser, Werder wurde stabiler und die Kommunikationsfehler nahmen ab.

Hoffen wir, dass das ein Trend ist, der sich fortsetzt.

TSG 1899 Hoffenheim : Werder Bremen – 1:1

Ausgerechnet die beiden, über die ich mich während des gesamten Spiels am meisten aufgeregt habe, führen den am Ende verdienten Ausgleich herbei! Santiago Garcia passt, und Serge Gnabry verwandelt. Ausgerechnet. Bis zu diesem Zeitpunkt haben mich ihre Aktionen mehrmals sämtliche Nerven gekostet.

Dabei haben sie in den vergangenen neunzig Minuten plus Nachspielzeit wirklich alles versucht, das muss man ihnen zugutehalten.  Sie haben sich in jeden Zweikampf gehauen, sie haben Kilometer gefressen, sie haben sich wirklich in den Dienst der Mannschaft gestellt. Aber sie haben eben auch durch unsinnige Zuspiele und durch richtige Entscheidungen zum falschen oder falsche Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt für Unruhe gesorgt und ihre Kollegen in die eine oder andere Verlegenheit gestürzt.

Jetzt muss man über die fußballerischen Qualitäten von Gnabry wirklich nichts mehr sagen. Jeder kann erkennen, was der Junge drauf hat. Es ist wirklich sehr beeindruckend. Und natürlich ist es keine Selbstverständlichkeit, dass er am laufenden Band Tore schießt. Werder kann sich glücklich schätzen, ihn verpflichtet zu haben, und das tun sie ja auch immer wieder, und wir tun es alle mit. Ja. Okay.

Aber er ist eben noch jung. Und wenn man es positiv ausdrücken will, dann macht er gerade eine für seine Karriere und seine weitere Entwicklung wichtige und prägende Erfahrung: Er kämpft gegen den Abstieg. Spieler seines Formats erleben das sicher nicht allzu häufig, wenn überhaupt. Er ist also Teil eines Teams, das nicht durchgängig hochklassig besetzt ist und das deshalb die Fehler, die einer macht, ohne weiteres ausbügeln kann. Bei Werder ist Gnabry von fußballerisch guten, mäßigen und nicht besonders guten Kollegen umgeben. Und das bedeutet, dass ihm eine viel größere Verantwortung für die Spielgestaltung zukommt, als das zum Beispiel bei Arsenal der Fall gewesen wäre.

Es könnte also sein, dass diese Verantwortung für ihn noch zu früh kommt. Andererseits hat Werder keinen Besseren und deshalb beschwert sich auch niemand über seine Fehler. Und was Gnabrys Entwicklung angeht, kann es ein Zu-Früh ja eigentlich gar nicht geben. Im jetzigen Fußball gilt: Je eher, desto besser. Das muss man natürlich alles mitbedenken, wenn man ihn kritisiert, wie ich es jetzt tue.

Denn Kritik ist dennoch angebracht. Leider hört Gnabry nicht damit auf, Risikopässe in höchst gefährlichen Situationen zu spielen. Wie sagte Pal Dardai nach Herthas Spiel gegen Werder? „Ein junger Spieler darf einen Fehler machen. Er darf ihn nur nicht wiederholen.“ Nun, das ist eben das, was Serge macht, er wiederholt seine Fehler regelmäßig. Manchmal fehlt ihm der Blick für den Mitspieler. Das passiert Kruse allerdings auch. Manchmal möchte er eine Situation lieber im Einsgegeneins lösen, obwohl er besser abgespielt hätte. Das kann man gut verstehen, Fin Bartels handelt oft genauso. Beide haben eine großartige Ballbehandlung, deshalb liegt es nahe, in schwieriger Lage die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, statt sich auf den Mitspieler zu verlassen.

Fatal aber sind die fehlerhaften Abspiele in der Vorwärtsbewegung, wenn die Defensive sich geöffnet hat und in denen der Gegner den Ball schlichtweg nicht haben DARF. Dann kann Gnabry zu häufig der Verlockung nicht widerstehen, einen genialen Pass spielen zu wollen, der eine Tormöglichkeit nach sich ziehen könnte. Diese Pässe kommen oft nicht an. Das ist an sich kein Problem, es sind Risikopässe, es besteht nun einmal die hohe Wahrscheinlichkeit, dass sie nicht ankommen werden, deshalb heißen sie auch so. Wenn sie ankommen, sorgen sie sofort für Gefahr. Wenn sie aber nicht ankommen, sollten sie möglichst nicht für Gefahr für das eigenen Tor sorgen. Bei Gnabrys Risikopässen ist das leider öfter der Fall. Er spielt sie mitunter in Situationen, in denen der Gegner sofort umschalten und die Defensive in größte Probleme stürzen kann.

Werder hat insgesamt anständig verteidigt. Und natürlich sage ich nicht, dass es allein Gnabrys gescheiterte Risikopässe waren, die die Defensive unter Druck gebracht haben. Aber sie waren es auch. Sie sind es in der Regel zu häufig. Und das ist für die Abwehrarbeit in dem Maß ein Problem, in dem seine geglückten Aktionen für die Offensive ein Gewinn sind.

Er ist eben noch jung. Und deshalb ist das okay. Santi Garcia ist nicht mehr jung. Er ist ein alter Haudegen, der schon viel erlebt hat. Und das ist irgendwie traurig, weil er ein so unerhört sympathischer Kerl ist. Denn seine Leistungen werden mit den Jahren nicht besser. Durch Gnabry und Kruse, zusammen mit Junuzovic (der auch gestern wieder besser war, als die Zeitungen und scheinbar auch die meisten Fans es wahrhaben möchten) hat Werders Kombinationsspiel ein Niveau erreicht, das wir von den Grün-Weißen von der Weser schon sehr lange nicht mehr gewohnt sind. Werder kann jetzt endlich wieder auf engem Raum kombinieren. Ja, ich weiß, das ist eigentlich banal, aber für Werder ist es das nicht. Unter Skripnik dominierten die langen Pässe auf die Außenpositionen, um das schwache Mittelfeld zu überbrücken. Seit Nouri der Boss ist, sind diese Zeiten vorbei. Und das ist eine schlechte Nachricht für Garcia. Denn weder sein Fuß noch sein Kopf scheinen für diese Art von Spiel schnell genug zu sein.

Defensiv hat er gestern einen guten Job gemacht. Da gab es keinen Stellungsfehler, nur selten einen gefährlichen Fehlpass im Spielaufbau und gute Ballgewinne. Seine Probleme begannen höher an der linken Seitenauslinie, wenn er in einer engen Situation den Ball zugespielt bekam und ihn schnell und möglichst klug weiterpassen sollte. Das war auch schon in den vergangenen Spielen zu beobachten: Dann steht Santi für einen Moment zu lange auf dem Schlauch. Das ist einfach nicht sein Spiel. (Man muss der Fairness halber ergänzen, dass auch Bauer öfter dieses Problem hatte, und das lag vor allem daran, dass sowohl Bargfrede als auch Junuzovic zu selten zu Hilfe kamen, um sich als Anspielstationen anzubieten.)

Es mag sein, dass er zurzeit mal wieder nicht hundertprozentig fit ist. Wir haben in der vergangenen Saison einmal erlebt, dass er einen echten Leistungsschub erlebte, als eine Verletzung, über die er selber nie öffentlich gesprochen hatte, endlich auskuriert war. Das würde ein wenig erklären, warum er so durchhängt. Aber ehrlich gesagt glaube ich, dass er für das neue Werder Bremen nicht mehr der richtige Typ des Außenverteidigers ist. Verstärkung wäre eigentlich schon in der Winterpause fällig. Aber das wird sicher nicht passieren, denn Augustinsson ist für die kommende Saison eingeplant, und ich kann mir nicht vorstellen, dass Werder in dieser Sache bis dahin handelt.

Nun sind es also ausgerechnet diese beiden gewesen, die das Einszueins besorgt haben. Und irgendwie ist das doch auch schön. Fehler hin oder her, wer würde den beiden dieses Erfolgserlebnis vergönnen? Ich bestimmt nicht. Im Gegenteil, ich finde, wir haben allen Grund uns zu freuen. Wenn man sich mal überlegt, auf welchem fußballerischen Niveau Werder noch im Januar kickte, und was sie in den vergangenen Spielen gezeigt haben, dann kann man doch nur sagen: Danke Baumann, danke Nouri, danke Werder. Wenn 2016 für die Welt auch ein beschissenes Jahr gewesen sein mag, so war es für Werder am Ende doch eigentlich ganz okay.

In diesem Sinne wünsche ich euch: Frohe Weihnacht und ein gutes, gesegnetes Jahr 2017. Danke für euer Interesse an meiner unwesentlichen Meinung.

Gofi

Werder Bremen : 1. FC Köln – 1:1

Die Kommentatoren sind sich einig: Die Punkteteilung gegen Köln war für Werder unterm Strich ein Punktgewinn. Jedem ist klar, dass das Spiel hätte verloren gehen können. Aber Werder hätte es eben auch gewinnen können. Und dass gegen eine starke und in ihrer Spielanlage so reife Mannschaft das Spiel bis zuletzt auf Messers Schneide stand, ist, angesichts von Werders bisheriger Entwicklung, etwas, worüber man sich freuen sollte. Drei Punkte wären gut, aber ehrlich gesagt nicht verdient gewesen.

Auf der Habenseite steht nach diesem Wochenende, dass Werder ein Spiel gegen einen starken Gegner nicht verlor, selbst wenn die individuellen Leistungen durch die Bank nicht besonders gut waren, sieht man mal von Lamine Sané, Niklas Moisander und Jaroslav Drobný ab. Auch Robert Bauer machte ein sehr viel besseres Spiel, als die Berichterstatter es gesehen haben wollen. Und, na gut, wenn wir schon dabei sind: Auch Junuzovic und Bargfrede lieferten solide Leistungen ab. Der Rest vom Fest konnte nicht besonders beeindrucken, und das betrifft dann ja wohl die Offensive plus einen zuweilen erschütternd überforderten Garcia. Weder Kruse noch Pizarro noch Bartels und auch nicht Serge Gnabry hatten allzu viele gute Aktionen gegen die Kölner Defensive. Einige tolle Ideen blitzten hier und da auf, wurden dann aber schlampig ausgeführt und brachten nichts ein – bis auf das glückliche Einzueins, das natürlich einem Torwartfehler, aber eben auch Gnabrys überragender Schusstechnik geschuldet war.

Aber das ist das Schöne an Werder im Dezember 2016, dass das Kollektiv die fehlende individuelle Klasse wettmachte. Deshalb war das Match auch so packend: Weil zwei Teams einen Kampf gegeneinander ausfochten, der vor allem im Mittelfeld stattfand. Und dass Werder gegen ein derartig starkes Kollektiv wie die Kölner mithalten konnte, das ist wirklich ein Erfolg an sich, Punkte hin oder her.

Es geht also aufwärts. Das erkennt man schon daran, dass Nouri nach einer schlechten ersten Halbzeit das System verändern konnte (er wechselte von einem Viervierzwei auf ein Dreifünfzwei) und sich das Spiel seiner Mannschaft prompt verbesserte, weil sie sich besser zum Gegner positionieren konnte und in der Folge mehr Zweikämpfe gewann. Wir denken kurz an die Zeit unter Skripnik zurück und lassen es dann wieder ganz schnell bleiben: Damals gab es so etwas nicht. Ein Systemwechsel während eines Spiels mag zum allgemeinen Standard in der Bundesliga gehören – oder, seien wir ehrlich, in jeder europäischen Topliga – aber dieses Mittel stand Werder bis vor nicht allzu langer Zeit noch nicht zur Verfügung. Meistens wurde es nach einer Systemveränderung erst so richtig schlimm.

Offenkundig ist Alexander Nouri ein Fußballlehrer, dem seine Schüler folgen. Man erkennt es an ihren Lernerfolgen. Und weil das so ist, gehen wir einer besseren Zukunft entgegen. Sie wird nicht rosig sein – über internationale Spiele brauchen wir bei Werder noch für sehr lange Zeit nicht nachzudenken – , aber die Zeiten werden im Vergleich zur Vergangenheit besser werden.

Dass Clemens Fritz zur Pause ausgewechselt werden musste, hat mir für ihn leidgetan. Aber fürs Spiel hat es mich gefreut. Ich will dem Käptn wirklich nicht am Zeug flicken, aber meiner Ansicht nach gehört auf seine Position Junuzovic.  Zusammen mit Bargfrede ergibt das eine Doppelsechs, die sowohl in der Defensive wie im Spielaufbau stark ist. Junu gehört ins Zentrum, er muss das Spiel vor sich haben. Dann kann er seine manchmal unscheinbaren, aber dennoch oft schönen Ideen einbringen. Auf diese Weise gleicht er Bargfredes Schwäche im Spielaufbau aus, und der wiederum bringt die Zweikampfstärke ein, die Junuzovic fehlt – ein ideales Paar.

Man könnte also beinahe davon sprechen, dass Werder inzwischen überall gut besetzt ist, wäre da nicht die Position des linken  Außenverteidigers. Ich bezeuge, dass ich von Santiago Garcia schon gute Spiele gesehen habe. Das ist aber verdammt lange her. Und das ist echt ein Problem. Während sich rechts Bauer und Bargfrede allmählich zu finden scheinen, lahmt Werders Spiel links, auch wenn sowohl Gnabry als auch Kruse es immer wieder zu beleben versuchen, indem sie häufiger die Postionen miteinander wechseln. Garcia wirkt zurzeit wie ein schüchterner Junge auf einer Party von Halbstarken. Was er macht, ist oft merkwürdig gehemmt und klappt deshalb nicht. Und wenn er sich ein Herz fasst und eine entschlossene Aktion wagt, ist es die falsche. Sein Spiel gegen Köln war kläglich. Es würde nicht nur Werder, sondern auch ihm gut tun, wenn es für ihn eine echte Alternative gäbe. Aber die gibt es nicht. Der jüngere Garcia, Ulysses,  hat bisher nicht gezeigt, dass er es besser kann.

Es gibt also noch viel zu tun. Wie sollte es auch anders sein? Der Umbruch bei Werder geht weiter, auch wenn sich endlich die Dinge zum Guten zu wenden scheinen. Nun also Mittwoch in Hoffenheim. Da gibt es eigentlich nichts zu holen. Aber das haben wir vor dem Spiel in Berlin auch gesagt.